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Thema: Grundlegendes zum Thema Rentenversicherung

  1. #1

    Grundlegendes zum Thema Rentenversicherung

    Selbständige sollen ab 1.7.2013 nachweisen, dass sie mindestens 262,50 Euro pro Monat in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder in eine Reihe von anderen Anlageformen wie z.B. eine private Rentenversicherung.

    Selbständige mit niedrigem Einkommen können sich das nicht leisten, weil sie bereits jetzt wesentlich mehr für ihre Krankenversicherung bezahlen als Angestellte. Hunderttausende müssten potenziell aufgeben.

    Selbständige mit höherem Einkommen sorgen ganz überwiegend verantwortungsvoll für ihr Alter vor. Sie wären von einer enormen Bürokratie und Einschränkungen in der Wahlfreiheit bei der Altersvorsorge betroffen.


    Finden Sie es wichtig, dass der VGSD sich zu diesem Thema engagiert? Dann stimmen Sie dafür auf UserVoice: http://bit.ly/T4W7D4
    Geändert von Christian Bussler (05.10.12 um 12:04 Uhr)

  2. #2
    Hallo,
    was hat die KV mit der RV zu tun ?
    Zitat: "weil sie bereits jetzt wesentlich mehr für ihre Krankenversicherung bezahlen"
    Ich finde es richtig, daß man auch als Selbstständiger zur Vorsorge gezwungen wird. Aber die Möglichkeiten müssen erweitert werden. So muss ich die Abzahlung für meine Eigentumswohnung (= meine Alterssicherung) aus meinem Netto bezahlen.

  3. #3
    Hallo spitzeu,

    natürlich hat die KV zunächst nichts mit der RV zu tun. Was Andreas Bussler vermutlich gemeint hat, ist die Tatsache, dass Selbständige in der GKV einen Regelbeitrag zahlen müssen, der einem Brutto-Einkommen von ca. 2600 EUR entspricht. Selbständige die weniger als diese 2600 EUR im Monat verdienen, werden somit durch die GKV überproportional stark belastet, was verglichen mit Angestellten ungerecht ist, denn bei Angestellten wird für den GKV-Beitrag kein fiktives monatliches Mindesteinkommen zugrunde gelegt.

    Viele Grüße
    Stefan Ott

  4. #4
    Auch wenn diese Diskussion schon alt ist, gewinnt sie durch die aktuellen Pläne zur Rentenversicherung wieder Aktualität.

    Das Problem ist meines Erachtens aber nicht die Rentenversicherung an sich sondern die vielen Sonderregelungen und Ausnahmen: Als Handwerkermeister ist man pflichtversichert, nicht aber wenn man als GmbH firmiert. Der Beamte wird vom Staat abgesichert, der Künstler, Architekt, Arzt etc. zahlt in eine eigene Kasse ein und so weiter. Zusätzlich bedient sich die Politik nach Gutdünken an der Rentenkasse um politische Ziele, sprich Wiederwahl, zu erreichen. Als jüngste Beispiele seien die Mütterrente und die vorgezogene Rente genannt.

    Ziel muss es sein eine stabile und verlässliche Rentenversicherung zu schaffen und dazu kann tatsächlich eine Rentenversicherungspflicht für alle beitragen.

    Dagegen spricht auch nicht das Argument, dass sich ein Selbständiger den Beitrag nicht leisten kann. Dann trägt sich sein Geschäftsmodell nämlich nicht und früher oder später liegt er doch der Allgemeinheit durch Sozialleistungen auf der Tasche.

    Lohnenswert ist ein Blick über die Grenze ins Nachbarland Schweiz. Dort besteht die Altersvorsorge aus drei echten Säulen. Der Vorteil liegt in einer Grundsicherung für Alle und einer Risikostreuung über die verschiedenen Anlagenklassen (bekanntlich weiß der Schweizer ja mit Geld umzugehen):

    - Säule 1 ist die Rentenversicherungspflicht für alle. Diese entspricht nicht der komfortablen Vollversorgung wie in Deutschland vorgesehen. Aber jeder zahlt nach gleichen Regeln ein und erhält später ein Grundsicherung.

    - Säule 2 ist ebenso verpflichtend, basiert aber auf privater Vorsorge. D.h. es muss ein Vertrag abgeschlossen werden, die Auswahl der Anbieter steht frei.

    - Säule 3 ist die freiwillige Vorsorge, die bei bestimmten Anlageformen steuerlich begünstigt wird.

    - Kann man auch nachlesen unter [ https://de.wikipedia.org/wiki/Drei-S...stem_(Schweiz) ]

    Zwar steht zu befürchten, dass eine solche pragmatische Regelung im lobbyistengesteuerten und ausnahmefreudigen Deutschland nicht durchführbar ist. Um das Rentensystem aufrecht zu erhalten, bedarf es aber mehr als Flickwerk.

  5. #5
    Hallo SAP4711,

    das Schweizer Modell halte ich auch für das solideste überhaupt. Wie Du schon richtig schreibst, ist das unglaubliche Flickwerk eines der Probleme, weil immer jemand begünstigt wird. Die Künstler zahlen in die Künstlersozialkasse nur den halben Satz, die andere Hälfte trägt der Staat, bzw. die Auftraggeber der Künstler, welche einen Prozentsatz des Rechnungsbetrags an die KSK abführen müssen. Beamte wiederum sind gar nicht Rentenversichert, der Staat trägt dort die Pension aus Steuereinnahmen. Andere sind über Versorgungswerke versichert.

    Was mich an der ganzen Diskussion stört, ist der fehlende Vertrauensschutz. Ich bin seit 17 Jahren selbständig und in der Zeit wurde mehrfach an der Rentenversicherung für Selbständige herumgepfuscht bzw. es wurde darüber Diskutiert, was jedes Mal zu einer Hängepartie führt. Meine Verträge sind langfristiger Natur und binden auch entsprechendes Kapital. Wenn nun meine Vorsorge, wie ich sie seit 17 Jahren betreibe, nicht anerkannt wird (damals gab es noch keine Rürup-Rente), so steigen die Vorsorge Kosten irgendwann ins unermessliche, da ich aus den Altverträgen ja auch nur mit (hohen) Verlusten heraus komme.

    Was Deutschland braucht, ist eine echte Sozialversicherungsreform, die den Namen auch verdient, in der sämtliche soziale Sicherungssysteme so ausgestaltet werden, dass sie langfristig funktionieren und den heutigen sowie kommenden Arbeits- und Gesellschaftsstrukturen gerecht werden. Die Schweiz hat als eines der wenigen Länder Mitteleuropas solch ein System. Am meisten Akzeptanz hätte wohl ein einmaliger großer Wurf, nachdem dann für lange Zeit Planungs- und Versorgungssicherheit herrscht. Leider befürchte ich, dass die politischen Protagonisten an den entsprechenden Schalthebeln, das nicht hinbekommen werden, mangels Mut und/oder Können oder auch aufgrund rein ideologischer Blickwinkel.

    Es gibt übrigens eine Arbeitsgruppe bzgl. Rentenpflicht: http://www.vgsd.de/arbeitsgruppe-ren...t-presseschau/

    Viele Grüße,
    Stefan

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